Sie befinden sich auf: >Service > Aktuelles

Aktuelles Anzeigenseite

Forum Kinder- und Jugendpsychiatrie: Essstörungen

02.05.2013

Klinikdirektorin Dr. med. M. Schüler-Springorum

Kassel (Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe). Essstörungen, wie z. B. Magersucht und Bulimie belasten Familien oft sehr und häufig sind die Eltern hilflos. Dabei gehört die Magersucht mit einer Todesrate von bis zu 10 % zu den psychiatrischen Erkrankungen mit der höchsten Sterberate. Essstörungen entstehen nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich, und die Übergänge von einer eigenartigen Essweise zu einer krankhaften Störung sind fließend.

Wie man Essstörungen rechtzeitig erkennt und welche therapeutischen Möglichkeiten es für die Betroffenen und ihre Familien gibt, ist Thema eines kinder- und jugendpsychiatrischen Nachmittages. Die Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe lädt ein zum Forum für Kinder- und Jugendpsychiatrie: Essstörungen am Mittwoch, 15.05.2013, von 14 bis 18 Uhr in die Aula der Heinrich-Schütz-Schule, Freiherr-vom-Stein-Str. 11, 34119 Kassel.

Themen
In der vierstündigen Fortbildungsveranstaltung werden nach einer kurzen Einführung in das Thema Strategien in der teilstationären und stationären Behandlung sowie Möglichkeiten der Langzeitbehandlung von Jugendlichen mit chronifizierter Essstörung vorgestellt.

Zielgruppe 
Die Veranstaltung richtet sich an Kinder- und Jugendpsychiater sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Psychologen und Psychiater sowie Hausärzte und Kinderärzte. Darüber hinaus ist sie aufgrund der Breite des Themas zweifelsohne auch geeignet für Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen, Sozialpädagogen, Mitarbeiter der Jugendhilfe und der Jugendämter sowie interessierte Laien.

 Anmeldung erbeten unter: Vitos Klinik Bad Wilhelmhöhe, per Mail an: kjp@vitos-kurhessen.de.

Referenten
Dipl.-Psychologin Verena Martens (Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe)
Dipl. Psych. Dr. Kurt Quaschner (Leitender Psychologe der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marburg)
Dr. med. Katharina Bühren (Oberärztin am Universitätsklinikum Aachen)
PD Dr. med. Matthias Martin (leitender Arzt des Vereins für Jugendfürsorge Gießen)

Hintergrundinformation
Eine große deutsche Frauenzeitschrift entschied sich vor einigen Jahren vor dem Hintergrund steigender Zahlen essgestörter Mädchen und Frauen dazu, in ihrer Zeitschrift keine professionellen und damit oft untergewichtigen Models mehr abzubilden, sondern Mode und Kosmetik anhand von Fotos normalgewichtiger Frauen darzustellen. Auch eine große Kosmetikfirma folgte ihrem Beispiel und wirbt seit längerem mit normalgewichtigen Frauen, um einen Gegenpol zu immer dünneren und letztlich auch immer kränkeren Mannequins zu bieten.

Sie führte in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Zentrum für Essstörung (FZE) "Body-Talk"-Workshops an Schulen durch, in denen Jugendliche spielerisch erfahren, wie klischeehafte Werbung und Medien Einfluss auf Schönheitsideale und das eigene Selbstwertgefühl nehmen.

Essstörungen sind weit mehr als nur Probleme mit dem Essen. Sie haben psychische Hintergründe, das Essen bzw. Hungern ist Problemlöser. Essstörungen wie Magersucht und Bulimie gehören sicherlich zu den bekanntesten Störungsbildern und zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist jeder fünfte Jugendliche gefährdet.

Während die Magersucht durch einen selbst herbeigeführten absichtlichen Gewichtsverlust gekennzeichnet ist, stehen bei der Bulimie die wiederholenden Episoden von Essanfällen mit anschließendem Erbrechen im Vordergrund.

Häufig bereits vor der Pubertät beginnend, neigen beide Störungen in einem hohen Maße zur Chronifizierung. Aktuelle Langzeitstudien gehen davon aus, dass cirka die Hälfte der jungen Patienten erst nach zehn bis fünfzehn Jahren nicht mehr an einer Magersucht (Anorexia nervosa) im engeren Sinne leiden. Zugleich gilt die Anorexia nervosa mit einer Todesrate von bis zu 10 % als die psychiatrische Erkrankung mit der höchsten Mortalität. Beide Störungen, Anorexie wie Bulimie, gehen darüber hinaus mit einer hohen Rate an sowohl körperlichen wie auch psychiatrischen Begleiterkrankungen einher. Beiden gemeinsam sind eine krankhaft veränderte Wahrnehmung der Figur und des Gewichtes und damit hohe Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Bei beiden Störungen spielen kulturelle Bedingungen wie das übertriebene Schlankheitsideal unserer Zeit eine große Rolle.