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Persönlichkeitsstörung

Zu den Persönlichkeitsstörungen zählen die Borderline-Störung und die emotional instabile Persönlichkeitsstörung

In der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen umstritten, da sich eine stabile Persönlichkeit erst im Verlauf der Adoleszenz entwickelt. Es gibt aber in einzelnen Fällen auch schon im Jugendalter feststehende Symptommuster, die einer Persönlichkeitsstörung entsprechen und ins Erwachsenenalter hinein überdauern. Dies gilt insbesondere für die emotional instabilen Störungen, die sich gliedern in

a) die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ

b) die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ

Die emotionale instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ ist gekennzeichnet durch eine deutliche Neigung, impulshaft zu reagieren ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen. Die Patienten zeigen eine unbeständige und unberechenbare Stimmung, eine geringe Fähigkeit, Dinge vorauszuplanen. Und es fehlt ihnen an Ausdauer bei Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden. Zusätzlich weisen sie eine deutliche Tendenz zu Konflikten mit anderen auf, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden und eine Neigung zu Ausbrüchen von Wut oder Gewalt mit Unfähigkeit, das explosive Verhalten zu kontrollieren. Im Jugendalter sind Patienten mit der genannten Symptomatik schwer von den Störungen des Sozialverhaltens abzugrenzen und werden oft dieser Gruppe zugeordnet.

Häufiger sehen wir die emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ, bei der neben der Stimmungsinstabilität und Neigungen zu Impulsivität eine deutliche Störung des Selbstbildes vorliegt, wodurch es häufig zu suizidalen und selbstverletzenden Handlungen kommt.

Die Symptomatik umfasst

  • ein verzweifeltes Bemühen, reales oder gefühltes Alleinsein zu verhindern
  • ein Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen
  • eine Störung der Identität mit Instabilität des Selbstbildes und des Gefühls für sich selbst
  • Impulsivität in mindestens zwei möglicherweise selbstschädigenden Bereichen (Geldausgeben, wechselnde sexuelle Beziehungen, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle)
  • wiederkehrende Suiziddrohungen, -andeutungen und -versuche oder selbstschädigendes Verhalten
  • Stimmungsinstabilität mit übermäßiger Bewertung der augenblicklichen Stimmung (Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst).
  • ein chronisches Gefühl der inneren Leere
  • unangemessen starke Wut und Schwierigkeiten, Wut und Ärger zu kontrollieren
  • vorübergehende stressabhängige Symptome mit Fehlbewertungen der Realität.

Im Vordergrund steht eine genetisch mit bedingte erhöhter Verletzlichkeit, auf die sich häufig, aber nicht zwingend, akute oder chronische traumatisierende Ereignisse aufpfropfen.

Behandlung
Bei der stationären Behandlung steht die Stabilisierung mit Besserung des selbstverletzenden Verhaltens und der suizidalen Impulse im Vordergrund. Wir arbeiten in der Gruppe an der Beziehungsstörung und einer Verbesserung der Frustrationstoleranz und in der tiefenpsychologisch fundierten Einzelpsychotherapie an Identität und Selbstbild. In der begleitenden verhaltenstherapeutischen Arbeit nach DBTA (Dialektisch-Behaviorale-Therapie für Kinder und Jugendliche) erlernen die Patienten Fertigkeiten zur inneren Achtsamkeit, Stresstoleranz, Gefühlsregulation und zur Regulation zwischenmenschlicher Beziehungen. Hier ist das erste Ziel eine deutliche Verbesserung des selbstschädigenden Verhaltens zu erreichen. Unterstützend bieten wir eine Medikation mit stimmungsstabilisierenden Psychopharmaka an.

Aufgrund der Neigung zu intensiven Beziehungsverwicklungen kann es häufig erforderlich sein, die stationäre Behandlung in mehrere Episoden aufzuteilen. Die stationäre Therapie sollte flankiert werden oder einmünden in eine längere ambulante psychotherapeutische Behandlung. Einzelne Standorte bieten eine ambulante Nachsorge und eine weitere Teilnahme an der DBTA-Gruppe nach dem stationären Klinikaufenthalt an.